Wissenswertes


Nr.1

Entwurmung
Vergiftung von Böden und Wasser - MDR1-Hunde in Lebensgefahr

Wer denkt beim Entwurmen schon an den Mist, der hinten rauskommt? Ständig hat man den Pferdehaltern erklärt, dass die chemischen Entwurmungsmittel für die Pferde ungefährlich seien, was ja nicht stimmt, wie viele schon erleben mussten. Warum hätte man auch noch darüber nachdenken sollen, was sie in der Umwelt, auf den Weiden und über den Mist auch als Dünger und von dort aus auf das Grundwasser anrichten können?

MDR1-Hunde in Lebensgefahr
Hunde fressen gerne Kot, vor allem den von Pferden. Das liegt in ihrer Natur. So werden es schon die Wölfe gemacht haben, wenn sie ein Wildpferd erlegt hatten. Pferdekot enthält viele vorverdaute vegetarische Stoffe, ist reich an Verdauungsenzymen und enthält große Mengen Vitamine, vor allem B-Vitamine und Vit. K1. Frischer Pferdekot ist für den Hund eine gesunde Sache, wenn, ja wenn nicht...
Sogenannte MDR1-Hunde schweben in tödlicher Gefahr - immer. Wer weiß schon, wie viele Hunde elendiglich verreckt sind, weil sie Pferdekot gefressen haben, der ein Entwurmungsmittel enthielt? Es sind sog. MDR1-/- bzw. MDR1-/+ Hunde, die betroffen sind. Da kommt man von einem Spaziergang zurück und plötzlich fängt der Hund an zu taumeln, hat weit aufgerissene Pupillen und starken Speichelfluss, weiß offensichtlich nicht mehr, wo er sich befindet. Es treten Krämpfe auf und irgendwann fällt er ins Koma. Es geht ihm also richtig dreckig. Vielleicht ist das alles auch schon unterwegs passiert. Auf dem schnellsten Weg zum tierärztlichen Notdienst. Vergiftung liegt nahe. Es wird untersucht, Blut wird abgenommen. Er wird stationär aufgenommen, kommt an den Tropf. Die Behandlung ist in vielen Fällen hoffnungslos.
Viele Hunde mit solchen Symptomen sind schon überraschend verstorben, ohne dass die Hundehalter die Wahrheit erfahren haben. Sie haben für den Tod keine Erklärung, keine Diagnose erhalten. Schicksal halt. Zwei Szenarien wurden mir immer wieder berichtet. Die Frage, ob der Hund Pferdekot gefressen hat, wurde nicht gestellt. Warum nicht?

Betroffene Hunderassen: Als besonders empfindlich gelten Collies, Australian Shepherds, Shetland Sheepdogs, Bobtails (Old English Sheepdogs), Border Collies, Shelties, Langhaarwhippets, Windhunde, Deutsche Schäferhunde und Mischlinge dieser Rassen (Geyer 2005a; u.a.).

Die Justus Liebig Universität weist auf ff. hin: MDR1-/- Hunde müssen der Entwurmung von Pferden mit Ivermectin- oder Moxidectin-haltigen Präparaten dringend ferngehalten werden, da es selbst bei Aufnahme sehr geringer Mengen dieser hoch dosierten Präparate zu gravierenden Vergiftungen von MDR1-/- und auch MDR1+/- Hunden kommen kann. Insbesondere neuere Präparate in Tablettenform wie Equimax Tabs®, Eraquell Tabs®, oder Vectin® können für Hunde mit MDR1-Defekt extrem gefährlich sein: Bereits die Aufnahme einer einzigen Tablette mit ~20 mg kann bei MDR1+/- Hunden leichte Vergiftungssymptome hervorrufen und ist für MDR1-/- Hunde sogar tödlich! Vergiftungen durch therapeutische Applikation Makrozyklische Laktone dürfen, sofern nicht explizit für den Hund zugelassen, nicht bei MDR-/- Hunden angewendet werden, da es zu lebensbedrohlichen Vergiftungen kommen kann. Ein MDR1-Gentest ist daher zwingend vor dem hoch-dosierten Einsatz von Makrozyklischen Laktonen, z.B. zur Therapie der generalisierten Demodikose. Auch heterozygote MDR1+/- Hunde zeigen hierbei vermehrt Nebenwirkungen wie Mydriasis und Ataxie, welche aber beim Absetzen der Präparate auch ohne Behandlung innerhalb eines Tages reversibel sind.

Quelle: www.vetmed.uni-giessen.de/pharmtox/mdr1_defekt.html